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     Die Geschichte des Berliner Box-Verbands



Abschrift aus: Der dabv und seine Landesverbände im WM-Jahr 1982,
Herausgegeben vom Deutschen Amateur-Box-Verband e.V., Kassel, 1982:

Die Geschichte des Berliner Box-Verbands
von Joachim Emmerich (Präsident des BBV)

Die Gründung des Berliner Box-Verbands ist gleichzeitig auch Ausgangspunkt des Amateurboxens im damaligen Deutschland.

Als 1918 die Soldaten aus der Gefangenschaft des Ersten Weltkrieges heimkehrten, brach für den Boxsport eine neue Ära an. Wir wissen heute, wem wir das zu verdanken haben. Es gab in Berlin einen Motor und der hieß Leonhard Mandlar.

Nachdem anläßlich des Hallensportfestes des Verbandes Berliner Athletik-Vereine im Februar 1919 die erste öffentliche Veranstaltung stattgefunden hatte, schritt man in Berlin zur Verbandsbildung. In der "B.Z. am Mittag" erließ ein Hans Bötticher vom Verein SC Heros 03 einen Aufruf zu einer Zusammenkunft. Am 24. Mai 1919 fanden sich im "Pschorr Bräu" in der Friedrichstraße die Vereine SV Astoria, SC Heros 03, Berliner Sport-Club und Boxing-Club Berlin 1913 ein. Da außerdem ein Profimanager und ein Berufsboxer namens Hans Breitensträter anwesend waren, kam man im Hinblick auf den Amateurcharakter des Verbandes zu keinem Ergebnis. Erst am 1. Juni 1919 in "Blechschmidts Diele" am Schlesischen Tor machte Leonhard Mandlar bei einer weiteren Sitzung kurzen Prozeß und gründete den Berliner Box-Verband.

Am gleichen Tage diktierte er Satzungen und Kampfregeln. Bereits Anfang 1920 wurden ein Übungsleiterlehrgang und ein Lehrgang für Boxer durchgeführt und im März 1920 die Berliner Meisterschaften abgewickelt. Seit dem 13. Dezember 1924 nannte sich der Berliner Box-Verband Brandenburgischer Box-Verband. Waren es 1919 noch 4 Vereine, so stieg die Zahl derselben 1921 bereits auf 24, 1923 auf 43, 1924 auf 54, 1926 auf 60, 1928 auf 68, und erreichte 1933 71 Vereine im Gebiet der Provinz Brandenburg. Seit der Gründung des Berliner Box-Verbandes haben Berliner und brandenburgische Boxer wesentlich zu den Erfolgen des deutschen Amateur-Boxsportes beigetragen und auch oft die führenden Funktionäre im damaligen Deutschen Reichsverband für Amateurboxen bzw. im Deutschen Amateur-Box-Verband gestellt. Namen wie Leonhard Mandlar, Arthur Gerstmann, Konstantin Konrads, Paul Idziok sind mit der Entwicklung und mit den Erfolgen des D.A.B.V. eng verbunden.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mit der politischen Isolierung Berlins und der Aufteilung Deutschlands in Zonen mußten Berlins Amateurboxer wieder von vorn beginnen.

Zuerst wurde von den damaligen Besatzungsmächten das Boxen grundsätzlich verboten. Dann kamen in Berlin zunächst die Berufsboxer in den Ring, während heimlich in den Hinterstübchen der Vereinslokale, besonders in Neukölln, Wedding und Spandau, die Amateure trainierten.

Als dann 1948 wieder offiziell geboxt werden durfte, war es wiederum Leonhard Mandlar, der seine Getreuen zusammenrief und den Berliner Box-Verband neu aufleben ließ. Die Vereine konnten jetzt Anträge auf Zulassung stellen und machten regen Gebrauch davon.

Im Herbst 1949 hatte der BBV bereits 40 Vereine. Die politische Entwicklung der Ostzone brachte auch die Gründung eines Deutschen Sport-Ausschusses mit sich. Durch diesen wurden die Ostberliner Vereine abgetrennt. So gingen 19 Berliner Vereine auf Grund der politischen Entwicklung einen eigenen Weg. Der verbleibende Rest im Westen unserer Stadt gründete den BBV neu mit alter Tradition und alten Mitgliederrechten. In der folgenden Zeit wurden dann noch zweimal die Berliner Meisterschaften zwischen Ost und West gemeinsam durchgeführt, was heute nicht mehr möglich ist. Alle Versuche, übrigens in allen Sportarten, hier eine Gemeinsamkeit herbeizuführen, waren vergeblich.

Die Zahl der BBV-Vereine, also der Vereine West-Berlins, stieg bis 1953 auf 28 mit über 3.000 Mitgliedern. Durch einen vernunftgemäßen Zusammenschluß verschiedener Vereine sank die Zahl auf 24.

Der Berliner Box-Verband war von jeher eine starke Stütze der Reichs- bzw. Bundesorganisation. Wohl keine Stadt Deutschlands hat eine derartige Anzahl internationaler Amateurboxkämpfe in seinen Mauern gesehen wie Berlin.

Dies ist wie immer eine Anzahl von Persönlichkeiten zu verdanken, die als Aktive oder Funktionäre die Geschichte des Amateur-Boxsportes dieser Stadt geschrieben haben. Es ist unmöglich, sie hier alle mit Namen zu nennen. Für alle diejenigen, die zum Erfolg des BBV beigetragen haben, nennen wir aus der Nachkriegszeit die Aktiven Werner Kardolsky (SV Astoria), Waldemar Stephani (Sparta 58), Gerd Schubert (Pol. SV), Gerhard Richter (NSF), Dieter König (SV Astoria), Peter Prause (Pol. SV), Harry Kurschat (NSF), Peter Henatsch (Hertha BSC), Günter Heidemann (NSF), die Gebrüder Dieter (SBC 26), Dieter Wemhöner (der heutige Bundestrainer), Rudolf Hornig (Post SV), Gerhard Piaskowi (Te - Be), Burkhard Barnowski und Gunnar Münchow (Pol. SV), Hans Hoth (SV Ast., der heutige Jugend-Trainer), und für die Funktionäre Leonhard Mandlar, Paul Idziok, Arthur Gerstmann, Hans Senftinger, Richard Steinert, Horst Kalian, Erich Marks, Karl Hoppe, Konstantin Konrads, Erich Fouquet, Werner Jaschke, Karl Busse, Wolfgang Harnisch, Karl-Heinz Kühnell und viele, viele andere.

Im Jahre 1981 - wie eigentlich in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg überhaupt - steht der Berliner Sport vor steigenden Problemen. Die Teilung der Stadt mit dem nicht mehr möglichen Sportverkehr zwischen Ost- und West-Berlin und das durch politische Maßnahmen fehlende Hinterland hat auch die Arbeit im BBV wesentlich erschwert.
Großveranstaltungen mit Hallen füllenden Zuschauerzahlen sind in der geteilten Stadt nahezu unmöglich geworden. Der früher so erfreulich in die Vereine strömende Nachwuchs bleibt mehr und mehr aus. und nur durch besondere Anstrengungen seitens der Vereine und des Verbandes ist es möglich, Berlins Amateur-Boxsport weiter auf der Erfolgsbahn zu halten. So ist es doch erfreulich zu vermelden, daß in der Saison 1981/82 Berlin in der l. und in der II. Bundesliga vertreten ist.


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© 2000,  Jens Gatzenmeier

 Stand: Oktober 2007